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Was Unternehmen von meinem fünfjährigen Sohn lernen können

Innovationsfähigkeit ist heute mehr denn je ein wesentliches Merkmal eines gesunden und zukunftsfähigen Unternehmens. Die Zeiten, in denen man über zehn oder zwanzig Jahre ein unverändert gleiches Produkt anbieten, oder es sinnvoll auf die gleiche Art und Weise herstellen und vertreiben konnte, sind vorbei. Und dennoch scheint der Wille zur Veränderung bei einem großen Teil der deutschen Unternehmen nicht besonders ausgeprägt zu sein, sei es aus Unsicherheit, Sorge oder aufgrund fehlenden Willens. Das ist sehr schade, denn wir stellen hier großartige Produkte und Dienstleistungen in hervorragender Qualität her. Lange genug haben wir uns darauf ausgeruht.

Und dann… ja dann beobachte ich meinen fünfjährigen Sohn beim Spielen, und sehe, dass Innovation eigentlich gar nicht so schwer ist. Jedenfalls dann, wenn man ohne starre Regeln im Kopf an das Thema herangeht; und vielleicht auch mit ein bisschen Naivität. Unsere Kinder sind uns da häufig weit voraus. Wir sollten ihnen viel öfter zuhören und von ihnen lernen.

Unvoreingenommen Ideen entwickeln

„Papa, können wir Mensch ärgere Dich nicht spielen – aber ohne Würfel?“ Auf diese Frage folgte Stille. Ganz einfach deshalb, weil ich darüber nachdenken musste, wie ich es ihm am besten ausrede. Und wir alle wissen, dass ich das auch genauso gut hätte sein lassen können. Wir haben letztendlich also ohne Würfel Mensch ärgere Dich nicht gespielt und uns währenddessen überlegt, wie man das Würfeln ersetzen könnte. Das war nicht nur ein spannender Prozess, er hat uns auch interessante Lösungsalternativen gebracht.

Dinge anders zu machen, bringt uns vielleicht auf den ersten Blick unserem Ziel nicht immer näher, aber wir begeben uns damit bewusst in eine andere Perspektive, die uns neue Erkenntnisse bringen kann. Diese Erfahrungen sind unser größtes Kapital im Innovationsprozess.

Vorhandenes logisch weiterentwickeln

„Papa, warum hat meine Ritterburg kein Licht und keine Heizung?“ Ja, warum eigentlich nicht? Das Mittelalter wurde vor etwa 600 Jahren durch die Renaissance abgelöst, Strom und Zentralheizung gibt es auch jeweils seit deutlich über 100 Jahren, also da könnte man doch… ich meine, es wäre wirklich an der Zeit… „Papa, dann kannst du ja auch gleich ein Klo einbauen.“ So schnell kann es gehen. „Und eine Alexa!“ …

Innovation muss nicht immer den ganz großen neuartigen Wurf bedeuten. Innovation bedeutet auch, mit der Zeit zu gehen und ihr im Idealfall sogar ein wenig voraus zu sein. Dinge verändern zu wollen und den Status Quo zu hinterfragen, sind Grundvoraussetzungen, um den Innovationsprozess im Unternehmen in Gang zu setzen und am Laufen zu halten. Sobald der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht!“ ausgesprochen wird, sollten alle Alarmglocken schrillen.

Neues kreativ umsetzen

Baustein- und Konstruktionssysteme jeder Art sind schon seit langer Zeit Spielzeuge, an denen Kinder viel Freude haben. Meinem Sohn geht es ganz genauso. Immer wieder gerne denke ich an seinen Polizistendiebwagen aus Lego, einer mobilen Gefängniszelle für Polizisten, die gleichzeitig auch Diebe sind. Gut, über die Bezeichnung könnte man aus Marketingsicht streiten, über den tieferen Sinn ebenfalls. Und natürlich ist es vor dem Hintergrund der gewünschten Mobilität fragwürdig, dass die Vorderachse quer zur Hinterachse stand. Aber es geht schließlich ums Prinzip. Und gelegentlich kommen dabei nicht nur passable, sondern wirklich außerordentlich interessante und obendrein funktionierende Dinge heraus.

Genauso, wie mein Sohn ganz neue Fahrzeuge und Gebäude mit seinen Bausteinen entwickelt, sollten auch Unternehmerinnen und Unternehmer experimentieren, und Neuentwicklungen fördern.

Menschen begeistern

„Papa, spielst du mit mir?“ Na, wenn das keine Aufforderung dazu ist, sich zu beteiligen, mitzumachen, am Ergebnis teilzuhaben, dann weiß ich es auch nicht. Vielleicht ist sie sehr direkt, das gebe ich zu, aber gerade deshalb funktioniert diese Art der Ansprache natürlich jedes Mal. Denn es macht mir große Freude, mit meinem Kind gemeinsam neue Dinge zu erschaffen, und sie hinterher auszuprobieren.

Die Freude an der Sache ist eine wichtige, aber sicher nicht die einzige Motivation für mich. Da wäre zum einen die Tatsache, dass ich mein Kind liebe. Hast du einmal in die großen Augen eines erwartungsfreudigen Kindes gesehen? Niemand möchte diese Erwartungen enttäuschen. Hinzu kommt die Begeisterung, mit der er seinem Spiel nachgeht. Ich finde das sehr mitreißend und kann mich deshalb genauso dafür begeistern, wie er es tut.

Eine positive Beziehung, mitreißende Begeisterung und die Freude daran,  etwas Neues erschaffen zu können, sind Faktoren, die jede weitere Motivation zur Innovation unnötig machen.

Fehler machen

„Papa, meine Piratenkönigsburg ist schon wieder eingestürzt.“ Auch Frustration kommt im Innovationsprozess vor. Aber die Fehler, aus denen diese Frustration resultiert, sind für jede Entwicklung wichtig und müssen gemacht werden. Durch sie weiß mein Sohn, dass zwei Wände für seine Piratenkönigsburg jedenfalls dann nicht reichen, wenn sie neben dem Erdgeschoss noch zwei weitere Etagen tragen sollen.

Und das gilt nicht nur für Waren und Dienstleistungen. Mein Sohn ist ein Meister der Prozessoptimierung. Seine Motivation ist es natürlich, möglichst lange spielen zu können, und das Aufräumen entsprechend zeitlich gering ausfallen zu lassen. Anfangs hat er es deshalb einfach ganz sein gelassen. Jetzt wissen wir aber alle, dass Teilaufgaben, die auf den ersten Blick nicht sinnvoll erscheinen, doch ein wichtiges Element der Gesamtaufgabe sein können. Werden sie nicht erfüllt, führt das unter Umständen zu gravierenden Problemen. Auch der Fünfjährige hat seinen Denkfehler schnell erkannt und andere Methoden entwickelt.

Fehler sind ein wichtiger Teil des Entwicklungsprozesses, bei einem Kind, bei Erwachsenen und natürlich auch in einem Unternehmen. Wir Erwachsenen scheuen uns häufig davor, weil wir Fehler für vermeidbar und etwas Schlechtes halten. Wir vergessen dabei gerne, dass wir weniger aus Erfolgen, und mehr aus Fehlern lernen.

Erfolgreich sein

Innovation bedeutet aber keineswegs nur, Dinge zu verändern oder neu zu entwickeln. Der Erfolg ist zusätzlich ein wesentlicher Faktor in diesem Prozess.

Bei meinem Sohn ist es ganz einfach, das Ergebnis seiner Entwicklung zu erkennen. Durch seinen Erfindungsreichtum, und das regelmäßige Ausprobieren seiner Ideen, wurde er im Laufe der Zeit immer erfinderischer. Seine Experimente wurden immer logischer, Vorschläge immer sinnvoller und seine gebauten Gebäude und Fahrzeuge immer stabiler und funktionaler. Meine Frau und ich unterstützen ihn dabei, wo wir können.

Das soll keineswegs Eigenlob sein, sondern zeigen, dass an Entwicklungsprozessen viele Einflüsse Anteil haben: Die Unterstützung der Unternehmensführung und der Führungskräfte, die Mitnahme der Mitarbeitenden, die richtige Strategie, Entdeckergeist, eine innovationsfördernde, offene Kultur, und ganz wichtig: Zusammenarbeit. Innovation ist ein Gemeinschaftsprozess. Je mehr Menschen daran arbeiten, desto mehr Wissen und Ideen fließen darin ein. Neue Produkte, neue Methoden, neue Wege können so entstehen.

Fazit

Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle entwickeln sich nicht von selbst. Der Wille zu Innovation, die Involvierung der Mitarbeitenden, klare Ziele und die Offenheit dafür, bestehende Konventionen zu durchbrechen, sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren für eine dauerhaft funktionierende Innovationskultur. Sie sichert den unternehmerischen Fortbestand nachhaltig, sorgt für Veränderung und Verbesserung und kann Unzufriedenheiten verhindern. Unternehmensintern genauso wie auch unter den Kunden. Letztendlich ist Innovation der Motor einer funktionierenden Wirtschaft.

Christian Günther ist Beratender Betriebswirt und Wirtschaftsmediator. Als Berater für nachhaltiges Wirtschaften unterstützt er Unternehmer*innen dabei, ihr Unternehmen innovativ und krisenfest zu entwickeln.

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