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Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für die unternehmerische Zukunft?

Noch vor 25 Jahren, in meiner Kindheit und Jugend, war ökologischer Landbau ein Randthema und „die Ökos“, also Menschen, die solche Erzeugnisse kauften, waren eher verpönt als geachtet. Ich erinnere mich immer wieder gerne an Dieter Krebs in seinem Lied, in dem er, gekleidet in einen nordischen Strickpullover, den „Martin, ne?“ spielte. Ein Öko par excellence und genau das stereotype Bild, das viele Menschen damals im Kopf hatten.

Gute Erinnerungen habe ich auch an den (damals einzigen) Bioladen in unserer Kleinstadt. Ein kleines, dunkles und eher schmuddeliges Geschäft. Staubige Saftflaschen, mit einem dicken Bodensatz, in den Regalen, der Fußboden klebrig, Gemüse und Salate waren teilweise welk, und hinter der Kasse stand er: der Martin. Jedenfalls sah er genauso aus.

Was fehlt?

Dieses Image ist heute längst vergessen. Martins Laden leider auch. Und vielleicht ist es ganz gut so, denn diese Art von Bioladen hatte ein großes Problem: Sie war aus ökologischer Sicht natürlich absolut sinnvoll, hatte aber ansonsten leider kein nachhaltig gedachtes Konzept. Wäre es anders gewesen, hätte der damalige Martin den Laden nicht vor 20 Jahren schließen, und heute als LKW-Fahrer für ein anderes Unternehmen arbeiten müssen.

Dabei hatte er damals eine Vision, er wollte wirklich etwas verändern, etwas Gutes tun. Nur wusste er nichts von Nachhaltigkeit, nichts von Betriebswirtschaft, nichts von Marketing, oder Kommunikation, er hatte keine Ahnung davon, sich zu präsentieren. Das Einzige, wovon Martin Ahnung hatte, war Ökologie.

Damals hätten ihm die Menschen aus seinem Umfeld ans Herz legen müssen, dass er keinen Laden eröffnen sollte, wenn er nicht weiß, wie man ihn führt, wie man ein Geschäft überhaupt aufbaut. Zumindest aber hätten sie ihm sagen sollen, dass er sich diese Kenntnisse aneignen muss. Denn ein Unternehmen, ohne die grundsolide kaufmännische Basis, hat keine Zukunft. Als Unternehmer hätte Martin das eigentlich wissen müssen. Hinterher ist man immer klüger.

Der gesellschaftliche Wandel

Heute sind wir 25 Jahre weiter, Informationsflüsse haben sich verändert, Wissen ist überall und immer greifbar. Manch einer macht trotzdem noch immer den Fehler, ein Geschäft, ohne den Hauch kaufmännischer Kenntnisse, zu eröffnen. Das wird immer so sein. Manchmal kann es ja auch funktionieren. Gar keine Frage.

Auch das Blatt, auf dem das Thema Nachhaltigkeit steht, hat sich inzwischen gewendet: Die Vereinten Nationen beschließen die 17 Nachhaltigkeitsziele, die CSR-Berichtspflicht wurde für Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitenden eingeführt, nachhaltige Unternehmensformen erhalten unter den Neugründungen einen immer größeren Anteil. Was ist das? Auf einmal ist nicht mehr der Martin der Sonderling, nicht mehr er ist es, auf den alle gespannt schauen, wie er sich wohl entwickeln wird. Nein, heute sind es alle Unternehmen, die sich in irgendeiner Form am Markt behaupten wollen. Kunden, Geschäftspartner, Finanziers … sie alle schauen inzwischen darauf, ob ein Unternehmen nachhaltig aufgestellt ist, oder nicht. Nachhaltigkeit ist noch nicht für jede wirtschaftliche Entscheidung das einzige Kriterium, das ist auch klar. Dafür stehen wir immer noch zu sehr am Anfang der Entwicklung. Aber sie ist absehbar, denn ein nachhaltig aufgestelltes Unternehmen ist per Definition zukunftsfähig. Und Zukunftsfähigkeit wollen die sogenannten Stakeholder, also alle Personengruppen, die ein Interesse an einem Unternehmen haben.

Warum am eigenen Ast sägen?

Denn wer nachhaltig aufgestellt ist, der denkt und handelt in die Zukunft gerichtet, was die Unternehmensführung, die Menschen und die Umwelt betrifft. Das ist auch ganz im Sinne eines ehrbaren Kaufmanns. Warum sollte man in diesen drei Bereichen nicht langfristig denken, und stattdessen dem eigenen Unternehmen Schaden zufügen? Wenn ich Rohstoffe ausbeute, kann ich diese irgendwann nicht mehr nutzen, denn sie sind endlich, oder wachsen nur langsam nach. Wenn ich Mitarbeitenden gegenüber unfair auftrete, verlassen diese Menschen nicht nur mein Unternehmen, sondern erzählen anderen Menschen, wie sie behandelt worden sind. Heutzutage verbreitet sich ein schlechter Ruf zudem viel schneller als noch vor 20 Jahren. Warum also am eigenen Ast sägen? Warum nicht ehrlich und ernsthaft einen Wandel herbeiführen? Anpassungsfähigkeit ist eine Grundannahme kaufmännischen Denkens. Das haben schon die Hansekaufleute im Mittelalter gewusst.

Nachhaltig mit Konzept

Früher oder später wird jedes Unternehmen ein Nachhaltigkeitskonzept entwickeln müssen, wenn es weiterhin ein Wirtschaftsakteur sein möchte. Der damalige Martin hat das nicht gewusst. Dabei war er, was die Ökologie betraf, schon ganz weit vorne. Sozial war er sicher auch gut aufgestellt. Was bei ihm fehlte, war die dritte Säule, die ökonomische Nachhaltigkeit.

Egal welche der drei Säulen der Nachhaltigkeit fehlt, dem Unternehmen wird es über kurz oder lang schaden. Warum ist das so? Hier einmal in aller Kürze einige der negativen Effekte, die eine fehlende Nachhaltigkeitssäule auf dein Unternehmen haben kann:

  • Hohe Kosten, wegen nicht erfolgter Optimierung
  • Hohe Kosten durch Fluktuation und Ausfallzeiten
  • Hohe Kosten aufgrund übermäßigen Ressourcenverbrauchs
  • Fehlende Kundenorientierung
  • Mangelhafte Innovationsfähigkeit
  • Fehlende Wettbewerbsfähigkeit
  • Fehlende Krisensicherheit
  • Negatives Image
  • Fachkräftemangel
  • Umweltverschmutzung

Ein dauerhaft gesundes Unternehmen lebt Nachhaltigkeit in allen drei Bereichen, und profitiert von den positiven Effekten, die durch nachhaltiges Wirtschaften entstehen.

Das Problem Greenwashing

Jetzt muss man nur lernen, ganz genau hinzuschauen. Wo versuchen Unternehmen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, tatsächlich etwas zu ändern, und wo versuchen sie, auf den Zug aufzuspringen und, anstatt etwas zu ändern, sogenanntes Greenwashing zu betreiben, also vielleicht einen Zustand zu bewerben, der in dieser Form gar nicht existiert?

Kunden schauen immer genauer hin und werden kritischer, auch wenn es ihnen durch die verschiedensten Verordnungen, Labels und durch zweifelhafte Werbekampagnen deutlich erschwert wird. Wird ein Fall von Greenwashing bekannt, bleibt dem betroffenen Unternehmen nur zu hoffen, dass dieser Fall nicht viral geht, und so beispielsweise große Menschengruppen im Internet erreicht.

Die Chancen nachhaltiger Unternehmensführung

Darum ist es für jedes Unternehmen heute so wichtig, ehrlich zu sein, wahrhaftig, seriös, und Probleme offen zu kommunizieren. Wenn dein Unternehmen einen wirklichen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan hat, wenn es jetzt nachhaltige Produkte herstellt, wenn du deinen Betrieb ökologischer gestaltest, dann darf und muss das natürlich kommuniziert werden, denn es ist echt. Eine Tatsache.

Aber genauso ist es auch keine Schande zu kommunizieren, dass dein Unternehmen noch nicht so weit ist, sich aber jetzt auf den Weg zum nachhaltigen Wirtschaften macht. Du zeigst damit den Willen und den Wunsch nach Entwicklung, dass dir an Menschen und Umwelt gelegen ist und sie dir wichtig sind. Auch das ist echt.

Gerade deine Mitarbeitenden sind sehr sensibel für solche Themen. Wenn du anders handelst, als du es kommunizierst, merken sie es immer als erste. Das ist der Moment, in dem viele Probleme beginnen.

Nutze deshalb die Chancen nachhaltiger Unternehmensführung. Sei echt, sei seriös und fang an, die Welt zu verändern. Dann wird dein Unternehmen auch weiterhin ernst genommen, dann kannst du auch zukünftig Krisensicher am Markt bestehen.

Herzliche Grüße

Christian Günther

Christian Günther ist Beratender Betriebswirt und Wirtschaftsmediator. Als Berater für nachhaltiges Wirtschaften unterstützt er Unternehmer*innen dabei, ihr Unternehmen innovativ und krisenfest zu entwickeln.

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